Die Kirche im 21. Jahrhundert

von Fabian Vogt

Das sind doch mal gute Nachrichten: Die Zukunft der Gesellschaft im 21. Jahrhundert sieht gar nicht so übel aus! Das behauptet zumindest der Soziologe Gerhard Schulze, der in den Neunziger Jahren mit dem Begriff „Erlebnisgesellschaft“ Furore gemacht hat. Jetzt ist sein neues Buch erschienen: „Die Beste aller Welten“. Dabei ist sein Einstieg erst einmal düster: Wir alle befinden uns zurzeit in einem Prozess, den er das „Steigerungsspiel“ nennt. Wertvoll ist nur noch das, was sich steigern lässt. Immer mehr, immer schneller, immer besser, immer sozialer, immer aufschwungiger und so weiter. Die Sache hat nur einen Haken: Das Steigerungsdenken ist so sehr zu einem Selbstläufer geworden, dass die Menschen inzwischen Angst haben, Ziele zu erreichen. Ein Leben, das nicht mehr verbessert werden kann, scheint völlig seinen Sinn zu verlieren. Und was den Menschen dabei abgeht, ist natürlich die Zufriedenheit. Wer immer alles verbessern will, ist nie zufrieden.

Kein Wunder, dass es in diesen Zeiten auch die Kirchen schwer haben: Ihre Werte sind nicht steigerbar. „Gott liebt dich unendlich! Jesus hat am Kreuz deine Schuld ein für allemal auf sich genommen! Weil Gott dich annimmt, kannst du dich selbst mit Haut und Haar annehmen!“ Das kann man nicht verbessern.

Das Steigerungsspiel wird übrigens nicht aufhören. Da ist sich Gerhard Schulze ganz sicher. Aber: Die Leute werden neu anfangen zu fragen „Wozu das alles?“ Wozu arbeite ich eigentlich siebzig Stunden pro Woche? Wozu brauche ich mehr Geld? Wozu mache ich das alles? Sie werden entdecken, dass nur derjenige das Steigerungsspiel vernünftig mitspielen kann, der weiß, welchen Sinn sein Leben hat. Und das bedeutet: Wir werden ein Jahrhundert der Sinnsuche erleben. Wie nie zuvor werden Menschen nach dem „Wozu?“ ihres Lebens fragen. Die Kirche sollte sich darauf früh genug vorbereiten.