// Purpose Driven International,  01. Oktober 2009

Wie kann meine Gemeinde geistlich wachsen?

von Drei Ideen aus Saddleback von Rick Warren


Alles was lebt, wächst auch. Wachstum ist ein wichtiges Anzeichen des Lebens. Wenn ein Kind nicht wächst und erwachsen wird, ist das eine Katastrophe. Eine Katastrophe ist es aber auch, wenn ein Christ geistlich nicht wächst und nie eine gewisse Reife erreicht.


„Bei der Kirche mit Vision geht es nicht um mehr Gottesdienstbesucher. Es geht darum, für Gott ein ganzes Volk zusammenzurufen.“
Rick Warren

 

Gott möchte natürlich, dass auch Ihre Gemeinde wächst, aber nicht nur von der Zahl der Gottesdienstbesucher her, sondern auch in geistlicher Hinsicht. Und damit Ihre Gemeindemitglieder geistlich wachsen können, brauchen Sie als Pastor einen Plan.

Als Pastor denke ich den ganzen Tag an die geistliche Reife meiner Gemeinde. Ich bin aufgewachsen als Sohn eines Pastors. Ich kannte Leute, die ihr ganzes Leben schon in der Kirche waren und immer noch keine geistliche Reife entwickelt hatten. Sie waren selbstgerecht, überkritisch, lieblos und eifersüchtig. Sie haben ihr ganzes Leben lang Worte aus der Bibel gehört, aber es hat ihr Leben nicht verändert.
Es wurmt mich, so etwas heute auch in meiner Gemeinde zu sehen. Ich bin vor Gott dafür verantwortlich, das geistliche Wachstum meiner Gemeinde zu fördern. Und ich nehme diese Verantwortung nicht leicht. Petrus trägt uns Pastoren auf: „Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist; achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt; nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund“ (1. Petrus 5,2). Das geistliche Wachstum Ihrer Gemeinde sollte Ihnen sehr am Herzen liegen.

Viele Menschen denken, dass es bei der Kirche mit Vision und ihren Prinzipien nur darum geht, mehr Menschen in die Gottesdienste zu bekommen. Aber in Wirklichkeit geht es um persönliches Wachstum. Es sind Prinzipien, die wir entwickelt haben, um Menschen dabei zu helfen, geistlich zu wachsen. Es geht nicht darum, mehr Gottesdienstbesucher zu haben. Es geht darum, ein ganzes Volk zusammenzurufen, das Gott dient. Es geht nicht nur darum, Hörer des Wortes zu gewinnen. Es geht darum, aus ihnen Täter des Wortes zu machen.

Wenn Sie die Menschen in Ihrer Gemeinde zu Tätern des Wortes machen wollen, dann brauchen Sie einen Plan für deren geistliches Wachstum. Und Ihre Gemeinde wird geistlich wachsen, wenn die Menschen in ihr sich zur geistlichen Reife verpflichten.

Die Gemeinde in Saddleback wurde gebaut aus Menschen, die ihr Leben Jesus Stück für Stück immer mehr hingegeben haben. Wir können Sie nur ermutigen, diesen Weg auf eine dreifache Weise ebenfalls zu gehen.

 

Erstens: Ermutigen Sie die Menschen, sechs Stufen geistlicher Hingabe zu gehen

Wir ordnen jeden in unserer Gemeinde in eine dieser sechs Stufen der geistlichen Hingabe ein. Auf der ersten Stufe ist die Hingabe gleich Null. Auf ihr steht die Bevölkerung („community“), und damit meinen wir alle Menschen im Umkreis einer akzeptablen Fahrtzeit.
Wir erwarten nichts von den Menschen auf dieser Stufe – auch wenn wir hoffen, dass Sie unsere Gottesdienste besuchen. Das ist der erste Schritt der Hingabe, den jemand in Saddleback gehen kann. Wenn einer das tut, dann gehört er für uns schon zu den Interessierten („crowd“).

Wenn jemand unsere Gottesdienste regelmäßig besucht, machen wir ihm Mut, unseren Mitgliedschaftskurs, die so genannte CLASS 101 zu besuchen. Dort lernt er, was es bedeutet ein Gemeindemitglied zu sein, und er bekommt die Möglichkeit einen weiteren Schritt zu gehen, indem er eine Selbstverpflichtung, einen „Bund“ unterschreibt. Wer das tut, gehört zu unserer Gemeinde („congregation“), also zu unserer geistlichen Familie.

Um ehrlich zu sein, es ist uns egal, ob die Menschen in unsere Gemeinde kommen, oder in eine andere gehen. Wir wollen nur, dass sie überhaupt einer Gemeinde angehören.

Wenn sie erst einmal zu unserer Gemeinde gehören, dann ermutigen wir sie, den Kurs 201 zu machen, wo sie etwas darüber lernen, wie man als Christ geistlich wächst. Wir konzentrieren uns auf die verschiedenen Formen geistlichen Lebens – Gebet, Stille Zeit, den Zehnten Geben und einen Hauskreis besuchen. Dann bitten wir die Leute, genau wie im Kurs 101, eine Selbstverpflichtung zu unterschreiben, einen „Bund“, dass sie diese Formen in ihrem Leben umsetzen werden. Wenn sie diesen Schritt gegangen sind, nennen wir sie die Aktiven („committed“).

Wenn sie sich verpflichtet haben geistlich zu wachsen, dann lassen wir sie am Kurs 301 teilnehmen, wo sie lernen, wie Gott sie für die Mitarbeit geschaffen hat. Sie erfahren in diesem Kurs eine Menge über sich selbst. Außerdem bekommen sie die Möglichkeit mit einem Coach in Kontakt zu treten, der ihnen hilft, in einem D.I.E.N.S.T. (Dienen Im Einklang von Neigungen, Stärken und Talenten) glücklich zu werden.

Am Ende dieses Kurses haben die Leute die Möglichkeit, sich zu einer kontinuierlichen Mitarbeit zu verpflichten, die an ihren Gaben orientiert ist. Dadurch gehören sie nicht mehr nur zu den Aktiven, sondern zum Kern („core“) der Gemeinde. Saddleback lebt von Tausenden von ehrenamtlichen Leitern, die sich zur freiwilligen Mitarbeit verpflichtet haben. Deshalb können wir sie wirklich den Kern der Gemeinde nennen!

Wenn Sie das Buch Kirche mit Vision gelesen haben oder eine unserer Konferenzen in Saddleback besucht haben, dann kennen Sie diese ersten fünf Stufen geistlicher Hingabe bereits. Nun haben wir festgestellt, dass es noch eine weitere Stufe gibt: Die Stufe der Beauftragten („commissioned“). Diese Menschen haben sich verpflichtet, am „P.E.A.C.E.-Plan“ teilzunehmen. Bei uns in Saddleback gibt es mehr als 7.700 Leute, die sich entweder vor Ort oder weltweit zur Mitarbeit am „P.E.A.C.E.-Plan“ verpflichtet haben. Das sind Menschen, die den Auftrag Jesu an seine Jünger sehr ernst nehmen.

 

Eine weitere Möglichkeit, geistliches Wachstum voranzubringen, ist eine einfache Karte

Jede Woche ermutigen wir unsere Gottesdienstbesucher, eine einfache Karte auszufüllen, und dadurch haben sich tausende von Leben verändert. Warum? Wenn man eine Entscheidung aufschreibt, wird sie dadurch greifbar. Wir machen den Leuten Mut sich aufzuschreiben, wie Gott während der Gottesdienste zu ihnen gesprochen hat, Gebetsanliegen zu notieren, und manchmal fordern wir sie auch zu speziellen Dingen im Zusammenhang mit dem Predigtthema auf – zum Beispiel eine freiwillige Selbstverpflichtung, an einem bestimmten Kurs teilzunehmen oder bei einem bestimmten Projekt zu helfen. Eine Gemeinde wird sich selbst nicht zum geistlichen Wachstum verpflichten und dadurch auch wirklich geistlich wachsen, es sei denn, man fordert sie zu solchen Selbstverpflichtungen auf! Und man muss ihnen die Möglichkeit geben, ihre Entscheidung greifbar werden zu lassen, indem sie sie aufschreiben.

 

Eine dritte Idee sind unsere Predigtthesenpapiere

Wir haben in unseren Gottesdiensten am Wochenende immer Thesenpapiere, in die man selbst die entscheidenden Punkte eintragen kann. Warum? Wir Menschen vergessen 95 Prozent von allem, was wir hören, binnen 72 Stunden (so eine Untersuchung der U.S. Air Force). Diese Statistik muss jeden Pastor deprimieren!
Wie gut können Ihre Gemeindemitglieder wachsen, wenn sie alles vergessen, was Sie ihnen erzählen? Sie müssen Sie dazu bringen, etwas aufzuschreiben. Der kürzeste Bleistift hält länger als das beste Gedächtnis.

Denken Sie darüber nach. Sie arbeiten die ganze Woche, um eine Predigt vorzubereiten, die Ihrer Gemeinde etwas zu sagen hat. Und dann werfen Sie sie ihnen hin wie geistliche Perlen. Aber wenn sich die Gemeinde diese Perlen nicht notiert, dann prallen sie von den Köpfen der Menschen einfach wieder ab. Ihre einzige Chance, die Perlen zu fangen und zu behalten ist, sie zu notieren.

Diese drei Ideen haben in Saddleback eine entscheidenden Rolle dabei gespielt, zu einer geistlich reiferen Gemeinde zu werden. Ich kann Ihnen nur ans Herz legen, sie auch in Ihrer Gemeinde auszuprobieren. Sie verfolgen ein Ziel, das für die Ewigkeit Bestand haben wird.

Eines Tages wird jeder aus Ihrer Gemeinde sterben. Die Menschen werden vor Gott stehen und sich dafür verantworten müssen, was sie gemacht haben mit allem, was Gott ihnen geschenkt hat. Ein Teil unserer Aufgabe ist es, sie auf diese Frage vorzubereiten.

Hat Ihre Gemeinde schon eine gute Antwort?








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